Die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG oder HAL)

Die „Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“, kurz HAPAG, oder später auch „Hamburg Amerika Linie“, kurz HAL, wurde am 27. Mai 1847 von 41 Firmen, die beschlossen hatten, eine neue Hamburger Reederei zu gründen, gegründet. Diese Firmen wurden unter anderem von bekannten Hamburger Kaufleuten wie Ferdinand Laiesz und Adolph Godefroy vertreten. Der Vorsitz, und damit die Leitung, des Direktoriums wurde Godefroy übertragen, der dieses Amt 33 Jahre inne hatte. Mit der Gründung sollte eine regelmäßige Verbindung nach Nordamerika geschaffen werden, da der Nordamerikahandel bisher an Hamburg vorbeiging.
In der Firmenbezeichnung steht das Wort „Packetfahrt“. Die Post wurde damals in den meisten Fällen im regelmäßigen Liniendienst verkehrenden Schiffen mitgegeben, die aber nicht, wie heute üblich in Säcken, sondern in Pakete gebündelt wurden. Daher bürgerte sich der Begriff „Packetschifffahrt“, beziehungsweise kurz „Packetfahrt“ ein.

Das erste Schiff der HAPAG, die Deutschland, noch ein Segelschiff, eröffnete den Dienst mit ihrer ersten Fahrt nach New York am 15. Oktober 1848. Das Hauptgeschäft war schon am Anfang der Transport von Auswanderern. Es wurde auch Fracht mitgenommen, dieses spielte aber in den Anfangsjahren eine untergeordnete Rolle. Beim Hauptgeschäft mit den Auswanderern fehlte es aber einige Jahre an der Unterstützung durch die Stadt Hamburg. Das 1837 in Bremen gegründete Konkurrenzunternehmen, der „Norddeutsche Lloyd“, wurde von der Stadt Bremen schon sehr früh unterstützt und war und blieb bis zur Fusion 1970 eine große Konkurrenz.
Im Jahr 1853 begannen Bestrebungen die Flotte auf Dampfschiffe umzustellen. Dieses begann dann auch2 Jahre später. Das letzte Segelschiff verschwand 1868 aus der Flotte.

Mit der HAPAG verbindet man besonders stark den Namen Albert Ballin. Er begann seine Laufbahn, nach dem Tod seines Vaters, mit 17 Jahren in dessen Auswandereragentur. Zu den Aufgaben einer solchen Agentur gehörten unter anderem für die Auswanderer Unterkunft in Logierhäusern zu suchen bis ihr Schiff auslief, die Geschäfte mit den Behörden einer großen Zahl von Staaten und Kleinstaaten auszuhandeln und zuletzt die Menschen auf das richtige Schiff zu bringen. Durch verschiedene Umstände kam es dazu, dass Albert Ballin die Leitung des Passagegeschäftes bei der HAPAG am 1.6.1886 übernahm. Seine erste Forderung galt der Schaffung einer repräsentativen Lokalität für die Passagierabfertigung.
Im Hauptgeschäft mit den Auswanderern herrschte zu dieser Zeit ein starker Konkurrenzkampf, besonders mit britischen Linien. Albert Ballin schaffte es mit Verhandlungen zu einem einvernehmlichen Ergebnis zu kommen, dass allen genug vom großen Kuchen versprach.

Da es an der Zeit war die Schiffsflotte zu modernisieren, überzeugte Albert Ballin den Vorstand die ersten Schnelldampfer, die „Augusta Victoria“, später umbenannt in „Auguste Victoria“, und die „Columbia“ anzuschaffen.

Im Sommer 1892 traf die HAPAG ein schwerer Schlag. Am 24. August wurde die Cholera in Hamburg festgestellt, was zum erliegen des Auswanderergeschäfts führte. Es dauerte einige Jahre mit z. B. der Verlegung des Schnelldampferbetriebs nach Southampton bis sich die Lage wieder normalisierte.

Ab ca. 1893 beschritt man, neben den prestigeträchtigen Schnelldampfern, neue Wege beim Ausbau der Flotte für den Dienst nach New York. .Es wurde jetzt zum Auswanderergeschäft zusätzlich vermehrt auch auf den Transport von Fracht gesetzt. Es wurden Schiffe angeschafft, mit niedrigerer Geschwindigkeit, die damit wirtschaftlicher waren als die Schnelldampfer. So konnten die neuen Schiffe 2.500 Zwischendeckspassagiere transportieren und dazu noch bis zu 7.500 t Fracht. Das Zwischendeck wurde so konstruiert, dass es schnell zu einem weiteren Laderaum für Fracht auf der Rückfahrt umgebaut werden konnte, da sie sonst leer standen. Auch die Bedingungen im Zwischendeck wurden stetig verbessert. Am Anfang wurde nur eine Holzpritsche als Schlafplatz zur Verfügung gestellt. Es kamen im Lauf der Zeit z. B. kostenlose Mahlzeiten und Decken, die behalten werden durften, dazu. Bis 1914, wo mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges sämtlicher Verkehr zum erliegen kam, stieg die HAPAG zur größten Reederei der damaligen Zeit auf. Das gipfelte in den Bau dreier Riesendampfer, die „Imperator“, die „Vaterland“, und die „Bismarck“, die aber wegen dem Krieg nicht fertig gestellt wurde. Die beiden fertig gestellten waren damals die jeweils größten Schiffe, die bis dahin jemals gebaut worden waren.

Quellen:

Steinmeyer/Evers, Deutsche See- und Schiffspost 1886 - 1945, Band I - IV
Witthöft, HAPAG Hamburg-Amerika-Linie
Kludas/Bischoff, Die Schiffe der Hamburg-Amerika-Linie 1847 - 1970, Band I - III


Verlesen der Briefbeutel beim Seepostamt des Dampfers ALBERT BALLIN
Aus: Steinmeyer/Evers
Verwerfen der Briefbunde und Stücksendungen beim Seepostamt des Dampfers ALBERT BALLIN
Aus: Steinmeyer/Evers
Die abfahrbereite Hammonia am Hamburger Jonas, der Bastion Johannes, heute durch die Promenade des Johannisbollwerk gekennzeichnet (ca. 1890).
Aus: Kludas/Bischoff
Karte der Fahrtroute Hamburg - New York
Karte der Fahrtroute Hamburg - New York. Die Fahrt von New York nach Genua wurde zeitweilig im Winter gefahren.
Die Hapag-Piers 2 und 3 in Hoboken von der Wasserseite aus gesehen. Das Foto entstand Anfang des 20. Jahrhunderts.
Aus: Witthöft
Imperator, A.G. «Vulcan» Hamburg; Bau-Nr. 314 / 52.117 BRT / 8.900 tdw / 268,2 (277,1) x 29,9 m / Vier Turbinen/74.000 Psw / 4 Schr. / 23 Kn / Pass.: 908 I., 972 II., 942 III., 1.722 ZwD / Bes.: 1.180 / 10. Juni 1912: Jungfernreise Cuxhaven - New York.
Aus: Kludas/Bischoff
Vaterland(1), Blohm & Voss, Hamburg; Bau-Nr. 212 / 54.282 BRT / 9.100 tdw / 276,2 (289,2) x 30,5 m / Vier Turbinen/90.400 Psw / 4 Schr. / 24 Kn / Pass.: 752 I., 535 II., 850 III., 1.540 ZwD / Bes.: 1.234 / 14. Mai 1913: Jungfernreise Cuxhaven - New York.
Aus: Kludas/Bischoff
1903 wurde das neue repräsentative Verwaltungsgebäude am Alsterdamm (heute Ballindamm) bezogen.
Aus: Witthöft
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