stampless cover

Hier stelle ich Briefe aus dem Zeitraum von ca. 1840 bis ca. 1875 vor, die entweder von den USA nach den deutschen Staaten oder nach den USA gegangen sind und, in der Regel, ohne Briefmarken verschickt wurden. Natürlich gab es schon Briefmarken (von den USA z.B. ab 1847), aber durch vielen kleinen deutschen Staaten und den daraus resultierenden vielen Postdiensten, war für einen normalen Postbediensteten in den USA das Gesamtporto für einen Brief nicht zu bestimmen. Daraus folgte, dass die Briefe "unpaid" verschickt wurden und die entstandenen Kosten vom Empfänger zu zahlen waren.
Wenn es Briefe nach Hamburg oder Bremen waren, wurde es leichter, als Contracte mit diesen Städten und der US-Post in Kraft traten. Auch später bei der Gründung des "Norddeutschen Postbeziks", und natürlich nach der Reichsgründung, vereinfachten sich natürlich die zu zahlenden Kosten.
Meine Briefe liefen in der Regel über die festgelegten "exchange offices", Bremen, Hamburg und später, bei Beginn der "Prussian closed Mail", auch Aachen (genauer "Traveling Post Office No. 10, Cologne, Verviers"), welches eigentlich ein Bahnpostamt auf der Strecke von Köln nach Verviers in Belgien war. Denn bei diesem Contract wurde die Post in Aachen in einen verschlossenen Beutel/Sack getan, dann über England (meistens Liverpool) nach New York oder Boston (die dortigen "Exchange Offices") geschickt und erst dort wieder geöffnet.
Für einige Jahre, so ab ca. 1860, gab es in weiteren Städten der USA, zusätzlich zu Boston und New York, die vom Anfang bis zum Ende "Exchange Offices" waren, "Exchange Offices" mit entsprechenden Stempeln. Es waren: Baltimore, Chicago, Detroit, Philadelphia, Portland, Me. und San Francisco.

An die Berechnung des Portos meiner Briefe habe ich mich noch nicht "ran getraut". Ich müsste alle Unterlagen dafür zusammen haben. Na, dann habe ich noch etwas in Zukunft zu tun.
Quellen:

Hubbard/Winter, North Atlantic Mail Sailings 1840-1875
Winter, Understanding Transatlantic Mail Vol. I + II
American Stampless Cover Catalog, Vol II, vierte Ausgabe
Mails of the Westward Expansion - 1803 to 1861, Steven C. Walske, Richard C. Frajola
https://en.wikipedia.org/wiki/Butterfield_Overland_Mail

Bremen - Aachen – New York – Salem 12.07.1856

Stempel vom Stadtpostamt Bremen vom 12.07. – Handschriftlich am oben Rand „By the first steamer from Bremen to New York“ wobei „from Bremen” durchgestrichen ist.
Stempel von Aachen vom 13.7. – Aachen/(Datum)/ 5 cts. – das bedeutet der Brief wurde per „Prussian Closed Mail“ über England geleitet.
Wahrscheinlich Mit dem Schiff „Washington” der Ocean Line am 16.07.1856 von Southampton ausgelaufen und erreichte New York am 30.07.1856. Stempel NEW YORK/ AM. PKT./(Datum)/30 – mit Datum 31.07.(1856). Dieses Schiff kam von Bremen, verlies Bremen aber am 12.07. dem Datum des Stempels des Bremer Stadtpostamtes. Wahrscheinlich hat der Brief das Schiff in Bremen verpasst.
Adressiert nach Salem, Forsyth County, North Carolina. Kein Ankunftsstempel.Handschriftlich vermerkt “erhalten den 3th Aug“.

Bremen - Aachen – New York – Salem 12.07.1856

Rückseite zu erstem Brief: Absender und Ort/Datum: Bremen – 11.July 1856.

Bremen - Aachen – New York – Salem 31.10.1856

Stempel vom Stadtpostamt Bremen vom 31.10. – Handschriftlich am oben Rand „By the first steamer from Bremen to New York“.
Mit dem Schiff „Washington” der Ocean Line am 01.11.1856 von Bremen ausgelaufen und erreichte New York am 20.11.1856. Stempel NEW YORK/ U.S. PKT./(Datum)/10 – mit Datum 21.11.(1856). Adressiert nach Salem, Forsyth County, North Carolina. Kein Ankunftsstempel.

Selber Absender und Empfänger wie der erste Brief. Interessant die Stempel von New York: am 31.07. „30“ Cent für Schiffsüberfahrt, da „Prussian Closed Mail“ und daher über England geleitet – am 21.11. „10“ Cent für Schiffsüberfahrt, da direkt von Bremen nach New York.

Hamburg – Aachen – Liverpool – Boston – New York - 18.04.1857

Ein “double-rate paid letter”, geschrieben am 18. April 1857 in Hamburg, gestempelt im Stadtpostamt am 22. April 1857. Hinweis oben am Brief „Via Liverpool p Steamer of 25. April“.
Der Brief wurde zum „Exchange Office“ für die „Prussian Closed Mail“ nach Aachen geschickt. Dort erhielt er den Stempel „Aachen/(Datum)/PAID 50 cts.“ Mit dem Datum 23. April. Von hier ging er im geschlossenen Postbeutel über Belgien nach Liverpool. Am 25. April 1857 lief das Schiff „Europa“ der Cunard Line aus und erreichte Boston am 7. Mai.
In Boston wurde der Beutel am selben Tag geöffnet und erhielt drei Stempel. Der erste – „BOSTON/(Datum)/BR. PKT./ PAID“, der zweite Stempel mit einer falschen „45“(Cents) als Vorauszahlung, und dann der dritte korrekt mit „60“(Cents) als Vorauszahlung und damit voll bezahlt.
Da der Geschäftsbrief eine Rechnung für eine Warensendung enthielt, ging er zum Zoll wo ein Stempel mit dem Datum 26.May 1857 abgeschlagen wurde.

Übersetzt aus „Understanding Transatlantic Mail Vol I“

New Orleans - Boston - Liverpool - Aachen - Oker Kreis Goslar - 28.09.1858?

Ganz schwacher Stempel New Orleans 28.09.1858 ??. Handschriftlich “per Hamburg Steamer”, aber die HAPAG fuhr nicht nach Boston. Also „Prussian closed Mail“, weil über Aachen und vorher Liverpool. Der Brief wurde von der Cunard Line(br. Packet) befördert mit dem Steamer "Niagara" - Abfahrt in Boston 06.10.1858 - Ankunft in Liverpool 17.10.1858. Stempel von Aachen 19.10.1858.

New Orleans - Boston - Liverpool - Aachen - Oker Kreis Goslar - 28.09.1858?

Rückseite: Stempel von Boston 06.10.1858/br. Packet. Ankunftsstempel Oker bei Goslar 21.10.1858.

Syracuse – New York – Bremen – Tübingen – Rottenburg – 02.09.1858

Der Brief wurde aufgegeben in Syracuse, N.Y. am 02.09.1858 (schwarz - unpaid). Ging dann nach New York, gestempelt am 04.09.1858/14/US Packet (unpaid). Fuhr mit dem Schiff "S.S. Ariel" der Vanderbilt European Line, das New York am 04.09.1858 verließ und am 22.09.1858 in Bremen ankam. Der Stempel "24/9 KRR AMERICA ÜBER BREMEN" stammt vom hannoverschen Postamt in Bremen - 24 kr. Seepost - 9 kr. nach Württemberg.

Syracuse – New York – Bremen – Tübingen – Rottenburg – 02.09.1858

Rückseite: Stempel Tübingen 24.09.1858 - Stempel WÜRTT. FAHREND. POSTAMT 24.09.1858 Z 3 (Zug 3), Bahnpost - Ankunftsstempel Rottenburg am 24.09.1858.

Hamburg – New York – Charleston – 10.03.1868

Gestempelt in Hamburg am 10.03.1868 mit rotem "F" (Franco) Stempel des preußischen Postamtes mit der Nr. "1", welcher für Briefsendungen gedacht war. Dann ist dort noch ein grüner Stempel "FRANCO", wo ich nur herausgefunden habe, dass er bedeuten soll "vom Absender freigemachte Sendung von der preußischen Post an andere übergeben".
Abfahrt von Hamburg mit dem Schiff "Allemania" der HAPAG, wie handschriftlich oben angegeben, am 11.03.1868. Ankunft in New York am 25.03.1868. Gestempelt in New York am 26.??, wohl März. Kein Ankunftsstempel von Charleston.

Glauchau – Leipzig – Aachen – New York – 16.02.1861

Stempel von Glauchau vom 16.02.1861. Dann rückseitig Stempel von Leipzig vom 17.02.1861. Weiter mit der Bahn und Bahnpoststempel, auch rückseitig, „LEIPZIG-MAGDEBURG/17.02.(1861). Stempel Aachen vom 18.02.(1861) 5cts – Also „Prussian Closed Mail“ über England. Wahrscheinlich Norddeutscher Lloyd das Schiff „Bremen“, am 20.02.1861 von Southampton, Ankunft in New York am 07.03.1861. Ankunftsstempel New York vom 08.03.(1861)/Am. Pkt./30.

Glauchau – Leipzig – Aachen – New York – 16.02.1861

Rückseite: Stempel von Leipzig vom 17.02.1861. Weiter mit der Bahn und Bahnpoststempel „LEIPZIG-MAGDEBURG/17.02.(1861).

Chicago - Hamburg - Essen – 27.09.1873

Ortsstempel von Chicago vom 27. Sep (1873) - Rückseite: Stempel "Chicago direct" vom 30. Sep (1873), ein "maritime mail marking" (stampless cover catalog). Es gibt von 4 oder 5 anderen Städten als NY oder Boston solche Stempel, die bedeuten, dass diese Städte zu der Zeit auch ein "office of exchange" waren, wie NY und Boston. In der Publikation von Hubbard/Winter sind nur die "exchange markings" von NY sehr ausführlich dargestellt. Im "stampless cover catalog" sind die der anderen Städte zu finden.
Es fuhr die "Cimbria" der Hapag von New York am 02.10.1873 nach Plymouth 13.10.1873. Alternative: Cunard - Schiff "Algeria" von New York am 01.10.1873 in Liverpool am 12.10.1873. Mir ist noch unklar mit welchem Schiff der Brief gefahren wurde.

Ankunftsstempel von Hamburg 15.10.73 9-10 V. Dann Ankunftsstempel von Essen "Essen/R. B. Düsseldorf/161073 5-7 N".

Chicago - Hamburg - Essen – 27.09.1873

Rückseite: Stempel "Chicago direct" vom 30. Sep (1873), ein "maritime mail marking" (stampless cover catalog). Es gibt von 4 oder 5 anderen Städten als New York oder Boston solche Stempel, die bedeuten, dass diese Städte zu der Zeit auch ein "office of exchange" waren, wie New York und Boston. In der Publikation von Hubbard/Winter sind nur die "exchange markings" von New York sehr ausführlich dargestellt. Im "stampless cover catalog" sind die der anderen Städte zu finden.

1860 – Ann Arbor – New York – Southampton – Aachen – Stuttgart – Nagold - Garrweiler, Württemberg – 31.07.1860

Stempel von Ann Arbor vom 31.07.1860. Dann Stempel von New York/23/Am. Pkt./04.08.(1860). Abfahrt des Dampfers "Bremen" des Norddeutschen Lloyd am 04.08.1860 und Ankuft in Southampton am 17.08.1860. Weiter nach Aachen, Stempel vom 18.08.1860. Dann mit der Bahnpost, Stempel K. Württemb. Fahr. Postamt/19.08.(1860)/ Z 13. Ankunft in Stuttgart am 19.??./1860. In Nagold vermutlich gestempelt am 20.08.1860. Adressiert nach Garrweiler, Oberamt Nagold.

1860 – Ann Arbor – New York – Southampton – Aachen – Stuttgart – Nagold - Garrweiler, Württemberg – 31.07.1860

Rückseite: Stempel von Aachen, Stempel der Bahnpost, Stempel von Stuttgart und (vermutlich) von Nagold.

Galena - New York - Havre - Strassburg - Flein, Oberamt Heilbronn - 07.10.1850

Gestempelr in „GALENA/ILLs./6.OCT“ (Das „A“ am Ende ist nur ganz schwer zu sehen. Ein kleines Stück von rechts unten. Entsprechend ist das „s“ bei „ILLs“ nur ganz schwach zu sehen). Dann nach New York, Stempel „NEW YORK/20.OCT“ in rot. Dann weiter nach Havre, Stempel „Havre XX.NOV.1850“.
Handschriftlich vermerkt „via New York und Havre – via Strasbourg“.

Am 20. Oct.1850 ging nur ein Schiff von „New York“ – Dampfer „Hermann“ der Ocean-Line – über „Southampton“ nach „Bremen“ – aber keine Daten für diese Häfen – dafür Fußnote: die Post dieses Schiffes (also auch dieser Brief) wurde von der „Arctic“ der Collins Line am 27.Oct.1850 von New York nach Liverpool mitgenommen – Ankunft 7.NOV.1850(Hubbard/Winter). Datum im Stempel von „Havre“ könnte, mit viel Phantasie und Wohlwollen, der 11.NOV.1850 sein – der von „Paris“ wohl der 12.NOV.1850.

Ich vermute, dass der Postsack in „Liverpool“ geöffnet wurde und auf Grund des Leitvermerks und diese Route auch schneller ist, als über „Bremen“, der Brief nach Frankreich (Havre) geschickt wurde.

Galena - New York - Havre - Strassburg - Flein, Oberamt Heilbronn - 07.10.1850

Rückseite: Stempel „Paris, wahrscheinlich 12.NOV.1850“.

Mainz - Aachen - Liverpool - New York - San Francisco - 18.01.1861

Brief von Mainz, gestempelt am 18.01.1861. Dann mit der Bahnpost Mainz/Cöln nach Aachen (Datm unleserlich). Stempel Aachen - "AACHEN/DATUM/ 5 Cts." Datum wahrscheinlich der 19.01.1861. Von Liverpool befördert mit dem Schiff "Vigo" der Inman Line am 23. Jan 1861 ab Liverpool und Ankunft in New York am 8. Feb 1861 (Stempel von New York 9. Feb.).

Im Februar 1861, zu dem dieser Brief hier ankam, wurden Briefe nach Kalifornien von der „Southern Butterfield Route“ über Land transportiert. Da die Anfangs-/Endpunkte dieser Linie St. Louis und Memphis waren, musste der Brief mit der Bahn nach St. Louis gebracht werden. Er verlies New York am 9. oder 10. Februar 1861.
Er verließ mit der Postkutsche der „Southern Butterfield Route“ St. Louis um den 12. bis 16. Februar und erreichte San Francisco um den 7./8. März.
Er wurde nach 2 Wochen, am 22.03.1861, in der Zeitung "beworben" (advertised), da er nicht beim Postamt abgeholt worden war.
Da es keine Stempel einer Rücksendung gibt, ist dieser Brief dann wohl abgeholt worden.

Mainz - Aachen - Liverpool - New York - San Francisco - 18.01.1861

Rückseite: Stempel von Mainz, der Bahnpost Mainz/Cöln und der Stempel "San Francisco, Advertised".


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